Home » Aktuelles » Gesundes Bauen und Wohnen im Interesse von Stadträten aus Bad Reichenhall


Gesundes Bauen und Wohnen im Interesse von Stadträten aus Bad Reichenhall

 

Eine Gruppe aus Mitgliedern des Stadtrats, der Bauverwaltung und interessierten Gästen war zum Informationsbesuch beim Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit in Rosenheim. 2. Bürgermeister Manfred Hofmeister hatte den Besuch vorbereitet und organisiert. Gerade die Gesundheitsstadt Bad Reichenhall, auch als Allergikerfreundliche Kommune zertifiziert, hat einen besonderen Bezug zu dieser Thematik.


Die Besuchergruppe wurde vom Leiter des Instituts Architekt Winfried Schneider und seinen Mitarbeitern empfangen. Zunächst gab Johannes Schmidt einen Einblick in die reichhaltigen Erfahrungen seiner messtechnischen Untersuchungen. Baubiologische Untersuchungen werden durchgeführt, um Belastungen in Schlaf-, Wohn- und Arbeitsräumen so zu reduzieren, dass für Bewohner und Nutzer möglichst keine gesundheitlichen Belastungen ausgehen. Dabei orientiert er sich generell am Standard der baubiologischen Messtechnik mit den drei Bereichen A) Felder, Wellen Strahlung (nieder- und hochfrequent), B) Wohngifte, Schadstoffe, Raumklima sowie C) Pilze, Bakterien, Allergene. Bewohner sind zunehmenden Dauerbelastungen durch omnipräsente hochfrequente Geräte ausgesetzt (WLAN, Smartphones, Mobilfunk, Bluetooth, LTE etc.). Gerade in Schlafbereichen sollte nach den Empfehlungen der Vorsorge (Umweltärzte, Wiener Ärztekammer) versucht werden, die Belastungen möglichst zu minimieren, um die für das Immunsystem wichtigen Tiefschlafphasen nicht zu stören. Auch in Baustoffen und Hausstaub finden sich häufig Belastungen, die der Gesundheit der Bewohner nicht zuträglich sind. Zur Schimmelpilzvermeidung kommt es neben baulicher Voraussetzungen (z.B. diffusionsfähige Wände, keine Wärmebrücken) auch sehr auf das richtige Nutzerverhalten an, um die Raumfeuchte nicht zu sehr ansteigen zu lassen.

Anschließend stellte Architekt Winfried Schneider wichtige Grundsätze des Themas Baubiologie und Nachhaltigkeit vor. Ausgehend von der Stadt- und Verkehrsplanung, zu nachhaltigen künftigen Wohnprojekten bis hin zu Gebäudeplanungen und Innenausstattung ist das Thema mittlerweile so weit gefächert, dass es entsprechender Spezialisierungen bedarf, um komplexe Aufgabenstellungen kompetent bearbeiten zu können.

In den letzten Jahren geht es zunehmend auch um energiesparendes Bauen. Hier darf der Aspekt der Gesundheit für das Wohnklima und der Unbedenklichkeit der verwendeten Baustoffe nicht übersehen werden. Was nützt ein energetisch abgedichtetes Haus, wenn sich darin Feuchtigkeit, Pilzsporen und Ausdünstungen chemischer Stoffe ansammeln. In die aktuellen Gebäudeplanungen sind zunehmend möglichst flimmerfreie Beleuchtungssysteme mit einem möglichst natürlichen Lichtspektrum einzubeziehen. Die für die Netzhaut der Augen schädlichen UV-Anteile in Beleuchtungssystemen sollten unbedingt minimiert werden. Mittlerweile gebe es dazu qualitativ gute Produkte. Gerade in den Abend- und Nachtstunden sollte dafür gesorgt werden, sich nicht zu hohen Blauanteilen durch Bildschirme und Beleuchtung auszusetzen. Dies stört nachts natürliche biologische Rhythmen und verzögert Einschlafphasen. Zunehmend seien auch Belastungen durch Feinstaub und Nanopartikel in Untersuchungen mit einzubeziehen.

Für die Zukunft der Baubiologie und Nachhaltigkeit komme es darauf an, ein möglichst ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen zu fördern. Gerade hier sei regionale Wertschöpfung und die Förderung des mittelständischen Handwerks eine wichtige Entwicklungsmöglichkeit. Gesundes Bauen sei nicht zwangsläufig teures Bauen. Die Amortisation langlebiger Materialien ist zu berücksichtigen, so z.B. sei ein Boden aus heimischer Robinie mindestens für 50 Jahre angelegt, ein Vielfaches dessen, was z.B. Laminatböden aushalten. Auch die Kenntnisse erfahrener Handwerker können zu Qualität und Lebensdauer einen wichtigen Beitrag leisten.
Gerade künftige gesellschaftliche Herausforderungen wie Wohnungsknappheit, Wohnen im Alter, mit den Aspekten der Gesundheitsvorsorge und Nachhaltigkeit werden für das Institut wichtige Tätigkeitsfelder in Planung und Beratung bleiben.

Abschließend konnte die Gruppe dann im Institutsgebäude zahlreiche praktische Beispiele einer gelungenen Umsetzung der zuvor erläuterten Grundlagen besichtigen. So z.B. natürliche diffusionsfähige Lehmputze in verschiedenen Farben und Oberflächenqualitäten, geölte Holzböden, energiesparende Wintergartenkonstruktion, angenehmes Raumklima, giftfreie nachhaltige Dämmstoffe und flimmerfreies Beleuchtungssystem.
Fazit: Ein sehr informativer Besuch mit praktischen Anregungen. Angesichts der wichtigen und umfangreichen Themenbereiche in Verbindung mit der weiteren Stadtentwicklung bestehen zahlreiche mögliche Anknüpfungspunkte für künftige Planungen und Bauvorhaben in der Stadt Bad Reichenhall.

 

 

Stadtrat

Die Besuchergruppe des Stadtrats von Bad Reichenhall im IBN Gebäude in Rosenheim: Dr. Wolf Guglhör, 2. Bürgermeister Manfred Hofmeister mit Frau, Michael Nürbauer, 3. Bürgermeister Hans Hartmann, André Schreiber, Pia Heberer (Gast), Martin Schoberth und Gerhard Schröter sowie Bauamtsleiter Thomas Knaus.